Eskalation im »Schutzgarten«


Schon seit längerer Zeit ist klar, dass das AZ Hafermarkt ein Teil des Gartens, welcher zwischen dem Vord@haus (AZ) und dem Hinterhaus liegt, braucht um weiter Veranstaltungen ausrichten zu können (Eine genau Begründung, warum wir den Garten brauchen gibt’s hier: Gartenzwerg). Diesen besagten Garten haben die cis Männer (zum Zeitpunkt der Beanspruchung lebten dort nur cis-Männer) aus dem Hinterhaus als ihren „Schutzraum“ beansprucht. Gespräche über eine Teilung oder gemeinsamen Nutzung des Gartens waren bis jetzt nicht erfolgreich bzw. wurden abgeblockt.

Deswegen haben am Sonntagmorgen einige Supporter*innen des AZs den Weg zum Garten freigemacht und die von Hinterhausbewohner*innen an unsere Tür zum Garten angebrachten Barrikaden wieder zurückgebaut. Der Plan war einen schönen Tag im AZ und in einem kleinen Teil vom Garten zu verbringen und zu grillen. Dass es hierbei nur um einen Teil und nicht den gesamten Garten geht, haben wir versäumt ausreichend transparent zu machen, dies führte vielleicht dazu, dass die Aktion bedrohlicher wirkte, als sie eigentlich war. Doch auch dies kann die Reaktion des Hinterhauses kaum relativieren.

Als wir im Garten waren, kamen wutentbrannte Hinterhausbewohner*innen auf uns zugerannt und zur Begrüßung wurde direkt eine leere Getränkekiste auf uns geworfen. Ein Kommunikationsteam von unserer Seite hat probiert die Situation zu deeskalieren und hat den Hinterhausbewohner*innen erklärt, warum wir jetzt in einem Teil des Gartens sind. Aber diese ersten Diskussionen waren wenig zielführend und es fielen die absurdesten Aussagen. Wir seien zum Beispiel »Die Kolonialisten des Vorderhauses« oder wir wollen denen ihr zu Hause wegnehmen (in unserem FAQ steht ganz klar, dass wir die Menschen aus dem Hinterhaus nicht räumen wollen!). Außerdem kamen immer weitere Menschen aus dem Hinterhaus mit diversen Waffen (unter anderem einer Axt) in den Garten und bedrohten uns. Wir haben uns davon aber nicht einschüchtern lassen und stattdessen mit Menschen aus dem Hinterhaus, welche uns nicht mit Waffen bedrohten, ein Gespräch in ein paar Stunden vereinbart.

Dies sollte ein deeskalierendes Gespräch zwischen Vertreter*innen der Hinterhausbewohner*innen und Supportmenschen des AZs (jeweils zwei bis drei Menschen) sein, um über die Gartenaufteilung zu reden. Es wurde sich darauf verständigt sich ohne Waffen im Garten zu treffen – wir vom AZ sollten uns bis zu dem Gespräch erst einmal aus dem Garten zurückziehen.

Dies haben wir auch getan, um die Situation zu deeskalieren. Um 12:00 Uhr sind drei junge FLINTA*s von uns unbewaffnet in den Garten gegangen. Doch dort wurden sie von einer größeren Menschengruppe (nicht wie abgesprochen), von denen einige mit Hacken, Zwillen, Tonfas, Spaten, Mini-Golfschlägern, Feuerlöschern bewaffnet und u.a. mit einem Motorradhelm ausgestattet waren, empfangen. Unsere Vertreter*innen sind trotzdem ruhig geblieben und haben probiert ein Gespräch zu führen. Es wirkte auf uns so, dass zumindest ein Teil der Menschen aus dem Hinterhaus auch gesprächsbereit waren. Doch nach ein paar Minuten ist die Situation extrem eskaliert, weil Menschen vom AZ von anderen Menschen des Hinterhauses (die offensichtlich kein Interesse an einem deeskalativen Gesprächsangebot hatten) angeschrien wurden, sie sollen den Garten verlassen. 

Daraufhin haben Menschen vom Hinterhaus aggressiv probiert unsere Vertreter*innen wieder ins AZ zu schubsen und die Tür zum AZ wieder zuzudrücken, um sich so ihren angeblichen »Schutzraum« wieder zurückzuholen. Dabei haben sie auch mit einem Feuerlöscher auf Menschen von uns gesprüht, mit einer Palette gegen die Tür gerammt, obwohl Menschen im Türrahmen standen. Dies führte dazu, dass Menschen aus den oberen Fenstern des AZs (nach Vorwarnung) Pfefferspray runter gesprüht haben. Laut Hinterhaus Statement wurde dabei eine Person verletzt. 

Schlussendlich mussten wir uns – um der Deeskalation willen – zurückziehen. Wir haben uns dagegen entschieden – obwohl wir von der Anzahl überlegen waren – die Menschen physisch (abgesehen vom Pfefferspray Einsatz am Ende) anzugehen, weil es sicherlich auf beiden Seiten zu massiven Verletzungen gekommen wäre. Unseren Rückzug aus dem Garten sehen wir nicht als Erfolg des Hinterhauses und deren Einschüchterungsversuchen durch absurd aggressives Auftreffen (mit Helm und Axt auf der Schulter), sondern als rationale Entscheidung. 

Wenn ein »alter weißer Mann« mit einer Axt Jugendliche bedroht, sind wir im Rahmen des Konflikts an einem Punkt angekommen, an denen zumindest wir noch rationale Entscheidungen treffen möchten, auch wenn das bedeutet, vorerst in die Defensive zu gehen.

Wir sind wütend darüber, dass das Gespräch vom Hinterhaus so missbraucht wurde und wir schlussendlich mit einem Feuerlöscher angegriffen wurden. 

Es gibt ein Video von der gesamten Situation auf dem klar zu erkennen ist, wie die Situation von Seiten des Hinterhauses eskaliert wurde und wie wir angegriffen wurden. Dieses Video können Menschen sich gerne angucken kommen. 

Anmerkung: Es wurde an uns herangetragen (als Unterstützer*innen vom AZ im Garten waren), dass dort eine FLINTA* Person neu eingezogen ist. Von dieser FLINTA* Person wissen wir, dass diese FLINTA* Person schon mehrfach durch Beschimpfungen und Drohungen uns gegenüber etc. aufgefallen ist. Dass dort nun eine FLINTA* Person wohnt, nehmen wir zur Kenntnis und sprechen ab jetzt von Bewohner*innen. Es hätte uns nicht sonderlich gewundert, wenn dort zukünftig weitere Cis Männer einziehen.

Das AZ Hafermarkt und die FLINTA* WG ist offensichtlich eine Projektionsfläche für alles, wovor alte weiße Männer Angst haben. So viel Angst, dass sie sogar einen Schutzgarten vor uns brauchen. 

Wovor haben sie Angst? 

Das Umfeld des Autonomen Zentrums versucht zumindest, emanzipatorische Ansprüche in einer anarchistischen Szene zu etablieren und patriarchale Denkweisen zu zerstören und einen Umgang mit Rape Culture zu finden. Die Reflexion der eigenen Männlichkeit und die eigenen Anteile in der Ausübung struktureller Gewalt kann unfassbar unangenehm und angsteinflößend sein. Cis-Männer müssen dadurch nicht nur ihre eigene Identität infrage stellen, sondern sich auch von der Vorstellung verabschieden, dass sie nicht auch schon selbst Täterschaft begangen haben. 

Wir haben den Tag über viele Solidaritätsbekundungen und Support bekommen. Danke dafür! Das hat nochmal gezeigt, wie breit und vielfältig die Unterstützung für das AZ Hafermarkt ist. 

Wir lassen uns nicht von unreflektierten, aggressiven Hinterhausmenschen einschüchtern; von Menschen, deren Lebensinhalt offensichtlich ist, archaischen Kleingartenkrieg gegen – vor allem – jugendliche Menschen zu führen, die im AZ Hafermarkt einen Freiraum für sich gefunden haben und hier diverse Veranstaltungen mit emanzipatorischen Anspruch organisieren möchten.

Wir werden weiter für unsere (anarcha-feministischen) Freiräume kämpfen 🖤💜!